Hochwald
Ein Gedicht von Helmut Lippl.
An Düften schwer, von Moos und Laub durchdrungen,
zog still der Wald uns zwei in seinen Bann.
Die Vögel schwiegen, Blätter leis gesprungen –
ein Pfad, den nur ein leises Tappen spann.
Wir gingen schweigend, Tritt um Tritt im Einklang,
als trügen wir ein Glück, das niemand sah.
Ein sanfter Hauch, wie Sehnsucht ohne Anfang,
durchzog mein Herz, so zart, so wunderbar.
Ich griff nach deiner Hand, sie kam mir nahe,
und Wärme stieg, wie Licht, aus ihr empor.
Ein Strom aus Stille, ohne jede Frage,
durchfloss uns beide, trat durch Blicke vor.
Ein Blick, ein zweiter – keiner war wie jener.
Sie sprachen mehr, als Worte je vermochten.
So standen wir – kein Laut, kein falscher Tönner –
vom Hochwald ganz umfangen, unbefochten.
Die Welt war fern, ein ferner Traum, verflogen,
nur du und ich und dieser grüne Raum.
Gedanken wie auf Windespfad gezogen,
empor in einen lichtdurchflut’ten Traum.
Die Blätter rauschten, Glockenspiel der Krone,
und über Moos fiel Sonnenlicht in Stücken.
Kubistische Gestalten auf dem Tone
der Erde tanzten – um uns her Entzücken.
Vergessen war, was einst in Worten grollte,
was Lärm genannt wird, Lüge oder Streit.
Die Seele atmete, wie sie es wollte,
befreit von jeder Last, von jeder Zeit.
Und ich, der neben dir im Schweigen ging,
ließ meine Liebe leise durch mich klingen.